Investition in gute Laune

in Audit, 08.06.2016

Die alte Leier vom Niedrigzinsumfeld und den damit einhergehenden Herausforderungen von Versicherungsunternehmen und Pensionskassen wurde bereits mehrfach abgespielt, und erklärt anschaulich den Boom alternativer Assetklassen wie Immobilien oder Beteiligungskapital, die damit fast schon Mainstream geworden sind. Heute möchte ich die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers daher auf eine Assetklasse lenken, die das Attribut „alternativ“ wahrlich verdient hat.

Nicht skalierbar, aber immerhin investierbar

Finance-Enthusiasten sind die wegweisenden Thesen von Nobelpreisträger Harry Markowitz ein Begriff – der US-amerikanische Ökonom lieferte die Grundsteine für die moderne Portfoliotheorie, an der sich eine Vielzahl von klassischen Asset Managern orientiert. Im Grundgedanken heißt es, dass eine ausreichende Portfoliostreuung aufgrund der Wechselwirkungen der Anlageklassen das unsystematische („idiosynkratische“) Risiko diversifiziert, und der Anleger so – zusammen mit einem risikofreien Anteil – ein „optimales“ Portfolio für seinen persönlichen Risikoappetit basteln kann.

Jedoch wird in der Praxis oft ein Aktien-/Rentenmix als „diversifiziertes Portfolio“ verkauft. Gemäß der reinen Lehre geht es jedoch um generalisiert gesprochen „alles investierbare“, das die Definition eines Vermögenswertes – im wirtschaftlichen, nicht unbedingt im bilanziellen Sinne – erfüllt. Somit also auch Bürogebäude, Autos, Bäume, Briefmarken, Lizenzen, Kunstwerke, altes Tafelsilber …

Wenn man es kaufen kann, muss es einen Wert haben

Was lange als Tummelplatz für Querköpfe verschrien wurde, denen scheinbar zu viel Liquidität zur Verfügung stand, eroberte in den vergangenen Jahren schleichend auch den klassischen Fondsstandort Luxemburg. Das regulierte Erfolgsprodukt „SIF“ (Spezialisierter Investmentfonds / Fonds d’investissement spécialisé) erlaubt versierten Anlegern nämlich bereits seit 2007 den Zugang zu den sogenannten „atypischen Vermögensgegenständen“ – also solchen, die über die klassischen investierbaren Assets hinausgehen. Der Übergang ist dabei fließend; während der Zugang zum Rohstoffmarkt über Termingeschäfte zum Brot-und-Butter-Geschäft gehört, ist das physische Vorhalten von Rhodium, Palladium oder Platin eher dem atypischen Kreis zuzuordnen.

Die Aufgaben, die die Administratoren, Verwaltungsräte, Verwahrstellen, Abschlussprüfer und nicht zuletzt die Finanzaufsicht dabei stemmen müssen, sind gewaltig. Rechtfertigt die potenzielle Überrendite diesen Aufwand wirklich, oder ist die Nach-Kosten-Rendite eher ernüchternd? Wie so oft in diesem Bereich ist die Datenlage dünn, und die Analysemöglichkeiten begrenzt.

Aktuelle Entwicklungen

Zu Beginn des Jahres wurde daher ein Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht, was den gegenwärtigen „sachkundigen Investor“-Status für SIF aufteilen soll in „investisseurs professionnels“ (professioneller Anleger im Sinne von MiFID II) und „autres“ (andere). Nur den professionellen Anleger sollen dann noch die „actifs atypiques“ („atypischen Vermögensgegenstände“) offenstehen. Damit einher geht die Gesetzesvorlage zum Reserved Alternative Investment Fund („RAIF“), die gar ein ganz neues Vehikel für alternative (und atypische) Investments auf den Weg bringt.

Mehr dazu erfahren Sie während der BVI-Veranstaltung „Luxemburger Fonds“ in meinem Vortrag “AIF mit ‚atypischen Vermögensgegenständen‘ – neue Vorgaben für Publikums- und Spezialfonds“ am 21. Juni 2016 in Frankfurt am Main. Natürlich empfiehlt sich darüber hinaus jederzeit der Besuch unserer zahlreichen Veranstaltungen während des KPMG Plage auf dem Luxemburger Kirchberg zwischen dem 10. und dem 30. Juni – eine Investition in gute Laune.


Leave a Reply

This blog is pre-moderated which means that all comments are reviewed by a moderator before they appear. KPMG reserves the right not to publish any comments made.