Ich schau Dir in die Augen, Kleines (Land)

in Industry Insights, Uncategorized, 04.01.2015

Zieht man ein Resumee des Jahres 2014 über den Fondsbereich in Luxemburg, so hat sich dieser trotz ungewisser Marktlage zu Beginn des Jahres doch erfreulich entwickelt. Bei der alljährlichen Investmentfondskonferenz des scheidenden KPMG Partners Walter Koob konnte ein Anstieg der „Assets under Management“ um 355 Mrd. EUR bis Ende August 2014 präsentiert werden – Tendenz steigend. Ein Ausbruch der Euphorie ist aufgrund des anhaltenden Margendrucks jedoch nicht zu verzeichnen. Die Marktteilnehmer sind bestrebt, dieses Wachstum voranzutreiben, was nur durch das Zusammenbringen der Nachfrage nach Anlagemöglichkeiten mit einem entsprechenden Angebot erfolgen kann.

Was Anleger wollen

In der obigen Konferenz hat Alexander Schindler, Vize-Präsident der EFAMA, den Anleger in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt und einen zentralen Punkt in Erinnerung gerufen: das Geschäftsfeld des Asset Managements ist ein Treuhänderisches. Aber was wünscht sich der Anleger und was bedeutet treuhänderisches Handeln? Das Sehnen und Streben des Anlegers ist – lassen wir die regulatorischen Bemühungen um den Anlegerschutz der jüngsten Vergangenheit außer Acht – auf Renditemaximierung oder (wohl oder übel) zumindest auf den realen Kapitalerhalt gerichtet. Institutionelle Anlegergruppen benötigen eine Grundrendite, ohne die ihr Geschäftsmodell nicht funktioniert. Durch das zur Zeit vorherrschende Zinstief und einen übergewichteten Fokus der europäischen Asset Manager auf Rentenwerte lässt sich zumindest mittelfristig dieses Ziel nur schwer erreichen. Treiber Nr. 1 für eine Veränderung bestehender Geschäftsmodelle ist somit zwangszweise das fast schon als prekär zu bezeichnende Zinsumfeld.

Als Treiber Nr. 2 spielt im Vertrieb die zunehmende Digitalisierung des Alltags eine enorme Rolle. Sind die Medien des heutigen Vertriebs noch angemessen? Die vielzitierte Generation Y („Millennials“) ist unbestritten sehr technologieaffin und kann sich neben Online-Banking auch Online-„Fund Shopping“ ohne Weiteres vorstellen. Es stellt sich die Frage, mit welcher Geschwindigkeit diese Entwicklung dann erst bei der Generation Z („Digital Natives“) voranschreiten wird. Diese benötigt in der heutigen Zeit noch nicht mal mehr einen Computer, sondern erledigt (fast) alles mit dem Smartphone.

Damit befinden wir uns am Anfang der Populationsskala, die durch die voranschreitende Bevölkerungsalterung immer länger wird und zum dritten Treiber, dem demographischen Wandel, führt. Durch die Alterung der Bevölkerung einerseits und immer größer werdende Defizite der nationalen Rentenkassen andererseits scheint eine private Rentenlösung für diese Kundengruppe unvermeidlich – aufgrund der Aufgeklärtheit der Bevölkerung, die mit dem Generationenwechsel einhergeht, vermutlich eher außerhalb der Lagerung unter dem Bettkissen, auch wenn diese Lösung manch digital paranoidem Zeitgenossen immer noch als die Attraktivste erscheint.

Was nicht passt, kann passend gemacht werden

Die Asset Manager sind also gefordert, sich innovativer und flexibler aufzustellen, neue Produkte zu entwickeln, Trends zu antizipieren und aufzugreifen. Theresa Hamacher (NICSA) unterstrich dies bei Ihrem Vortrag während der ALFI Global Distribution Conference in Luxemburg. Sie sieht einen der größten Trends des Fondsvertriebs in der Fähigkeit, den demographischen Trend aufzugreifen, gepaart mit Produktinnovation und gleichzeitiger Entmystifizierung des Produktangebots.

Damit ist sicherlich ein Umdenken erforderlich. Existierendes Produktangebot muss an die veränderten Nachfragemodalitäten angepasst werden. Neue Anlagemöglichkeiten entstehen aus fortschreitender Globalisierung und Mobilisierung der Zahlungsströme. Als Beispiel sei genannt die im November diesen Jahres neu geschaffene Investitionsmöglichkeit internationaler Anleger in die „China-A-Shares“, oder das weiter voranschreitende gewaltige Finanzierungsdefizit der weltweiten Infrastruktur, das auf zwischen 16 und 47 Billionen(!) US-Dollar geschätzt wird und die notwendige wirtschaftliche Innovation hemmt – aber wiederum die Nachfrage nach „Debt Funds“ steigern könnte. In die gleiche Reihe fädelt sich die fehlende Finanzierungskraft der Banken durch erhöhte Eigenmittelhinterlegung ein, welche Innovationen höchstens im Bereich des Risikomanagements schafft.

Zusammenbringen, was zusammen gehört

Können Asset Manager diese Trends aufgreifen und damit nicht nur die Wünsche ihrer Anleger besser bedienen, sondern – denken wir mal groß – die Rolle der Fondsindustrie nachhaltig verändern? Ich denke, dass Luxemburg als exzellenter internationaler Vertriebshub mit einer flexiblen und effizienten gesellschaftsrechtlichen und regulatorischen Plattform sich ideal zur Schaffung von maßgeschneiderten Produktlösungen für Investoren eignet.

Die Zukunft wird es zeigen.


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